Niemand kann seine Stimme abgeben. Weder an eine Partei, einen Politiker noch Sprecher, Schauspieler – Stellvertreter.

Wie oft haben wir uns gewünscht, ein anderer möge sich für uns einsetzen, an unserer statt sprechen? Sprachrohr sein? Medium?

Es gibt von dir keinen in ausnahmslos jeder Hinsicht identischen Doppelgänger. Und angenommen, dass doch: Er müsste exakt in ausnahmslos jedem Moment an deinem Aufenthaltsort sein, dasselbe denken, tun … deine Haltung einnehmen … Wie solltest du ihn dann als etwas erkennen, das du nicht selbst bist? Wenn er sich in keinem Aspekt von dir unterscheidet?

Vor allem: Willst du das? Wenn ja, warum? Weil du mit dir selbst unzufrieden bist? Weil du dir etwas erhoffst, das du nicht bist, hast, fühlst?

Dann hilft dir auch kein Klon. Der würde genau das tun, was du tust. Oder denkst du daran, ihn umzuprogrammieren? Zu beauftragen mit Handlungen, die du selbst scheust? Vielleicht tust du das bereits? Indem du dich spaltest? Aufteilst? Um Rollen zu spielen? Hier diese, dort eine andere?

Wie klingt deine Stimme? In der Begegnung mit jenem, mit diesem? Wie ein Schlangenbeschwörer? Agitator? Diktator? Kommandant? Bettler? Eine Amme?

Finde heraus, ob, wann du eine Rolle spielst. Werde dir deiner Stimme bewusst. In jeder Situation. Es ist deine Stimme. Sie spricht durch, für und womöglich auch gegen dich. Wenn du deine wahren Bedürfnisse leugnest, überspielst, übertönst.

Jutta Riedel-Henck, 25. Oktober 2024

 

aus: Jutta Riedel-Henck. Musikempfinden: Das Lied der stummen Seele. 30. Juli 2024 – ...