Jeder Mensch ist ein Fühlender! Hier, jetzt, immer. Er sucht nach schönen, angenehmen Gefühlen. Doch statt mit seiner inneren Gefühlswelt ins Gespräch zu kommen, betätigt er sich als Eroberer seiner Umwelt, benutzt Dinge, um sie zu begrabschen, anzuschauen, seine Sinne zu beschäftigen. In krankhafter Abhängigkeit von Objekten, die seine Emotionen an- und erregen, besetzt er die von ihm begehrten Orte und Lebewesen wie Katzen und Hunde ihr Revier markieren. Mit Hilfe seiner an Gefühlserinnerungen gebundenen Gedankenfäden knüpft er Netze, seine Chancen auf Erbeutung weiterer Gefühlsbefriedigungsobjekte zu steigern.

In dem Glauben, Gedankenfäden seien unsichtbar, neigt er zu wilden, ausufernden Spinn-Orgien, verausgabt sich im fantasievollen Aushecken (vermeintlich) geheimer Taktiken, seine Gefühle durch gedankliche Vorwegnahme des angestrebten Zieles zu befriedigen.

Bedingungslos zu fühlen, hat er nicht gelernt. Er hängt an seinen unüberschaubaren Gedankenwuseleien wie ein Drogenabhängiger.

In seinem Innersten weiß jeder davon Betroffene um seine unsinnige Beschäftigungssucht. Denn im Innersten sind wir alle mit der Quelle reiner Liebe verbunden. Wir bedürfen keiner Bedingungen, um Liebe zu empfinden.

Indem wir der bedingten Welt die Macht über unsere Gefühle schenken, sind wir Teilnehmer eines künstlich, vom Menschen geschaffenen Kriegsdramas, das nur und ausschließlich der Förderung negativer, schmerzhafter, giftiger Gefühle dient.

Jutta Riedel-Henck, 27. September 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...