Gab, gibt es die Person Jesus? Eine Seele, die sich physisch verkörperte? Ja, natürlich. Ein Mensch wie du und ich. Mit Problemen, Macken, inneren Kämpfen, Zweifeln ... von denen niemand wissen will, der ihn idealisiert, ihm etwas in den Mund, die Seele legt, das schlicht gelogen ist.

Die Sehnsucht nach einzelnen herausragenden Stars, welche die Welt retten, besteht heute wie gestern. Genau genommen muss jeder Einzelne die Welt retten, um sie zu retten.

Jesus war nichts fremd, er wusste um Eitelkeiten, Bosheiten, Verirrungen, Mord, Raub, Erpressung, Verrat. Das Drama um seinen Tod zeugt von seinem Wissen. Ohne dieses hätte er weder zu Kranken, Verirrten sprechen noch selbst in ein Drama verwickelt werden können.

Der Mitfühlende ist dem Mitleid nahe und droht, selbst darin unterzugehen. Grenzen zu wahren, bedarf gelegentlicher Überschreitungen. Jeder Seiltänzer weiß um Links, Rechts, Oben und Unten: den Abgrund. Er muss den gesamten Raum studieren, indem er ihn bereist. Durch sich selbst erfahrend.

Wer an Jesus glaubt, glaubt an sich selbst. Er glaubt an all die Wundertaten, die Größe und Göttlichkeit, die er nicht wahrhaben will. Denn zur Wahrheit, zur ganzen, gehört die Kehrseite aller Medaillen. Er wandelt auf des Messers Schneide. Wie jeder, der seinen Glauben an den Nagel hängt, um zu erfahren.

An das Kreuz genagelt wurde der Glaube. Die Lüge. Wie in einem Film, um die Verliebten, in das Bild des einzigen Retters Vernarrten zu erlösen. Von ihrem Irrglauben. Ihrem Fanatismus.

Erfolglos. Bis heute. Jahr für Jahr feiern die Christen ihren Karfreitag mit folgender Wiederauferstehung des angehimmelten Idols, Jesus Christ Superstar, wie einen Elvis Presley, King of Rock 'n' Roll. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Kreuzigung war und bleibt ein Schauspiel.

Jutta Riedel-Henck, 25. September 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...