Ausgangs- und Zielpunkt jeder Gedankenreise ist das eigene Selbst. Die Wahrnehmung von allem geschieht durch mich selbst. Ich filtere gemäß meiner Gedankenformen, arrangiere, sortiere, systematisiere, ordne, beherrsche mein Verhalten auch dann, wenn es im Sinne der gedanklichen Prägungen anderer chaotisch erscheint.

Auf welche Weise auch immer finanzielle Mittel zu mir fließen: Ich mache sie mir zu eigen. Das 5-Cent-Stück, welches ich beim Spaziergang auf dem Fußweg erblicke und an mich nehme, gehört mir, es sei denn, ich gebe es beim nächsten Fundbüro oder einer Polizeidienststelle ab. Die Entscheidung, dies zu tun oder lassen, liegt in meiner Verantwortung.

Stelle ich einen Antrag auf "Hartz IV" beim Jobcenter, muss ich alle in mir aktivierten Gedanken in Verbindung mit meinen Emotionen selbst verantworten: Den Umgang mit möglichen Infragestellungen und abwertenden Kommentaren Außenstehender, Schuldgefühlen und Zweifeln kann mir niemand abnehmen.

Wem gehört das Geld, das mir vom Jobcenter überwiesen wird? Dem Staat? Wer ist der Staat? Das Volk? Alle Bürger? Die Steuerzahler? Woher haben die Steuerzahler das Geld? Ist ihr Weg, Geld zu erhalten, ein würdevollerer als jener eines Hartz-IV-Beziehers? Wer bestimmt den Wert des Weges, an Geld zu kommen?

Jeder selbst.

Ich empfinde mein Leben und Wirken als wertvoll. In der Gemeinschaft, deren Teil ich bin, herrscht ein Wertesystem, das meinem Empfinden widerspricht. Mein Gewissen weist mir den Weg entgegen all den abwertenden Kommentaren Außenstehender. Ich fühle mich der Allgemeinheit und ihrem Wohl verpflichtet. Was mir zufließt, investiere ich in mein Leben auf eine für die seelische Gesundheit aller gewinnbringende Weise. Schuld fühle ich im Außen, nicht in meinem Inneren. Ich fühle all die sich versklavenden Erwerbstätigen, welche ihrem wahren Wesen untreu sind, weil es ihnen lieber ist, dem herrschenden Wertesystem zu dienen und gefallen. Sie haben die Wahl und könnten es lassen. Der Wahrheit, ihrem, und damit dem Wohle aller zuliebe.

Aber, aber, aber, aber ... aber, aber, aber, aber ...

Ja, ich kenne diese unzähligen Abers. Ich kenne die Ängste, die panischen, die schlaflosen Nächte (und Tage), die Existenz am Abhang des Nichtwissens, der puren Hingabe an die Not der Ausweglosigkeit. Mein gesamter Reichtum entstammt diesen seelisch bodenlosen Erfahrungen, mit keinem Geld der Welt zu erkaufen. Ich will das so. Die Gesetze der Schöpfung mit allem erfahren, ganz und gar. Lernen. Als ganzer Mensch. Alles andere empfinde ich als sinnlose Plemperei. Ich nötige niemand, es mir nachzutun. Jeder ist frei, selbst zu entscheiden, ob er sich als Geschenk oder Verdienst erleben will.

Jutta Riedel-Henck, 29. Juli 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...