Geld ist ein Sehnsuchtsträger sich selbst belügender Liebestöter. Die Bedingungslosigkeit der Schöpfung lässt sich davon nicht beirren. Sie ist und bleibt ein stets gültiges Geschenk.

Habe ich Schulden? Nein. Niemand schuldet der Schöpfung auch nur einen Cent. Sie weiß um ihren unermesslichen Reichtum, die ewig sprudelnde Quelle, aus der wir alle sind und bleiben.

Es gibt keine Schulden. Der Glaube an den Mangel ist purer Schein – wie jeder Glaube. Die Menschen machen aus ihrem Leben ein Theater. Sie spielen mit Gefühlen und erlernen die Kunst der Manipulation, um ihr bis zum physischen Tod zu erliegen, weil sie nicht wissen wollen, dass sie glauben, während sie am Leben sind.

Also bleiben sie die Ausführenden ihrer familiären und gesellschaftlichen Prägung, ihres einmal angenommenen Charakters.

Die Eltern investieren in ihre Kinder. Die Kinder erstatten ihren Eltern die Investitionskosten in deren Rentenalter. Erwerbsuntätige Hausfrauen und Mütter erstatten ihren erwerbstätigen Ehemännern die geleisteten Zahlungen durch Fürsorglichkeit und Pflege (nicht erst im Rentenalter) auf Lebenszeit. Wer sich dieser endlosen Ahnenkette immergleicher Beziehungsmuster entzieht, gilt als asozial. Schuldig allemal. Für alles, was missfällt.

Nach einem Gott fragt niemand bzw. nur dann, wenn er sich in Person oder Institution einer Glaubensgemeinschaft oder Sekte greifbar begrifflich materialisieren lässt. Das Geld hat einen absoluten Wert. Es kann nur getauscht werden. Geben und nehmen. Weil die Schulden in diesem auf dem Schuldprinzip aufbauenden System nicht verschwinden, werden sie herumgeschoben. Von Eltern zu Kindern, von Kindern zu Kindeskindern, von Kindeskindern zu Kindeskindeskindern. So stecken sie als ewige Kinder in ihren eigenen Glaubensschuhen.

Die Sehnsucht bleibt. Nach einem Retter aller Kinder. Dem Christkind. Jahr für Jahr erwartet, willkommen geheißen, ermordet, zurückgeholt. Wiederauferstanden. Geben, nehmen, geben. Die Schulden werden nicht weniger. Zahlen täuschen.

Jutta Riedel-Henck, 13.–16. Juli 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...