Ich höre bzw. lese oft von alten und neuen Energien, die sich aktuell überschneiden. Die alte würde gegen die neue Energie kämpfen.

So, wie es keine dunkle Energie gibt, existiert auch keine alte. Es sind die Gedankenmuster, die Glaubensfilter der Menschen, durch die sie ihre Energie bündeln und in die Welt projizieren. Verbreitet ist der Glaube, das Altern ginge mit zunehmender Gebrechlichkeit einher, "altersbedingten" Krankheiten, die angeboren, unabwendbares Schicksal seien. Dieser Glaube ist tatsächlich alt, aber nach wie vor hoch aktuell und wirksam. Viele Menschen haben sich damit abgefunden, unternehmen von sich aus keinen Versuch der Infragestellung ihres Glaubens, den sie für absolutes Wissen, d. h. für allgemeingültig richtig und wahr halten.

Die Infragestellung ihres Glaubens bereitet ihnen Todesangst. Weil sie im Gefangensein des Glaubens nicht wissen, dass sie "nur" glauben, dass sie fähig sind, ihren Glauben zu transformieren, zu verwandeln. Wie soll der Glaube, dass das Geglaubte Wissen sei, sich als Glaube offenbaren?

Indem er den Glaubenden in die Enge treibt. Ein Glaube, der wider das Leben ist, wirkt zerstörerisch. Er zerstört das Denk-Werkzeug des Menschen, sein Gehirn, und im Extremfall den ganzen physischen Körper. Mit dem Tod des Körpers stirbt die Denkstruktur, welche zu den lebensfeindlichen Blockaden führte. Die Energie bzw. der Fluss wird frei gelassen. Neu ist das keinesfalls. Tief in unserem Innersten wissen wir alle um diese Wahrheit. Wir suchen sie nur am falschen Ort, solange wir unsere alten, krank machenden Gedankenstrukturen durch Aufmerksamkeit mit Energie füttern.

"Use it or lose it" ... zerstörerische Gedanken offenbaren sich durch unangenehme Gefühle, Schmerzen. Warum denken wir sie? Warum schauen wir uns Bilder an, obwohl wir sie als hässlich empfinden? Lesen Texte, die negative Emotionen hervorrufen? Warum tun wir uns selbst so viel Leid an? Weil wir daran festhalten. Manch einer scheint zu glauben, wenn er sie nur immer und immer und immer wieder denkt, würde er sich daran gewöhnen und abstumpfen, ihm gar ein dickes Fell wachsen. Das Gegenteil ist der Fall.

Wie soll mir ein dickes Fell, ja, überhaupt eine gesunde Haut wachsen, wenn ich mich selbst chronisch verletze? Immer wieder?

Sich seiner selbst in stetem Gewahrsein der Emotionen bewusst zu werden, kann ausnahmslos jeder lernen. In vielen kleinen Lernschritten Gedanken zu suchen, die sich besser anfühlen als andere, ist kein Hexenwerk. Und wenn doch, wird aus der bösen eine gute Hexe, dem Teufels- ein Engelskreis. Es genügt in jedem Moment die Entscheidung, sich wie das Blatt einer Pflanze dem Licht zuzuwenden. Das Herz zu öffnen wie eine Blüte, um die erste Biene anzulocken.

Jutta Riedel-Henck, 30. Mai 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...