Geld ist persönlich. Es kann niemals neutral sein. Für Menschen. Tiere nehmen nur das bedruckte Papier wahr, die Münzen. Ein Hund würde das Papier zerrupfen, die Münze beschnuppern und liegen lassen. Die Erscheinung von Zahlen auf dem Display des Smartphones nach dem Einloggen in das Online-Bank-Konto ist für ihn geruchlos.

Die Macht des Geldes beruht auf den magischen Beziehungen der mit ihm handelnden Menschen. Wie groß können unsere Ängste sein, wenn wir fürchten, ohne Geld dazustehen? Im Supermarkt an der Kasse und vergeblich nach dem Portemonnaie zu suchen? Müssen wir deshalb auf der Stelle verhungern und verdursten? Vor Scham im Boden versinken? Werden wir von den Umstehenden mit hämischen Blicken und Bemerkungen entwürdigt?

Die Frage ist: Wie gehen wir selbst damit um? Wie bewerten wir das Fehlen des Geldes in diesem Moment? Aufgrund welcher Programme, die wir infolge unserer Erziehung installiert haben?

Wofür schämen wir uns? Dass wir für arm gehalten werden, wenn wir uns einreihen in die Schlange Wartender vor der "Tafel", die übrig gebliebene Lebensmittel aus dem Supermarkt an "Minderbemittelte" verteilt? Ist der Arme in jedem Fall arm? Arm dran? Vielleicht bin ich einfach nur ein Mensch, der denkt: Warum soll ich nicht die Lebensmittel nehmen, die übrig geblieben sind? Wenn sie mir genauso gut schmecken wie jene, die in der Auslage des Supermarktes liegen? Warum soll ich irgendwelche Jobs machen, die ich für sinnlos oder gar destruktiv halte, um viel Geld zu verdienen, während mein Herz danach strebt, mich einem liebevollen Miteinander zu widmen? Der Freude am Leben, der Natur? Dem Ruf meiner inneren Stimme? Meiner wahrhaftigen Berufung?

Warum schmeißen wir so viel weg? Warum neigt der "Reiche" zum Verschwenden von Ressourcen? Ist er, der reiche Verschwender, nicht jener, der die Dinge entwertet, um damit in Wahrheit arm zu sein? Arm dran?

Was verkneifen wir uns alles ... Da liegt vielleicht auf dem Teller des verlassenen Nachbartisches im Restaurant ein unangetastetes Schnitzel. Ein herrenloser Hund würde nicht lange überlegen ... der Mensch geniert sich bereits für den Gedanken, Appetit zu verspüren, und lässt das Schnitzel liegen, das wenig später in der Mülltonne "entsorgt" wird. Die Leute sollen doch nicht denken, du könntest dir dein Schnitzel nicht selbst verdienen! Schnitzel fallen nicht vom Himmel, und wenn doch, darfst du sie nicht essen. Was nichts kostet, kann nichts wert sein! Umsonst ist nur der Tod! Amen.

Jutta Riedel-Henck, 28. Mai 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...