Heute hatte ich im Wartezimmer des Landzahnarztes endlich mal wieder Gelegenheit, die „Bunte(n)“ und „Welt der Frauen“ durchzublättern, um das ein und andere Neue bzw. für die aktuell Informierten bereits Ältere über manche Prominente zu erfahren bzw. erlesen.

Margarete Schreinemakers lebt also seit zwei Jahren in Trennung. Eine öffentliche Schlammschlacht will sie nicht, sie machen alles ganz prima miteinander aus, ihr Bald-Ex-Gatte und sie. Uschi Glas wird von ihrem neuen Verehrer mit Perlenketten geschmückt. Die Frau von Detektiv Matulla (oder heißt er Nutella?) von den zwei Fragezeichen (oder waren es drei?) zeigt sich wunderbar selbstlos, während ihr Mann zu einer jüngeren Praktikantin zog. Zwischen den Zeilen dann doch ein paar Hass-Stiche … dass es ausgerechnet so ein junges Ding sein müsse … hätte sie dann doch getroffen.

Das Alter … besagt nicht viel … oder etwa doch? Gibt’s nicht Greise, die dümmer sind als Fünfjährige? Schrumpelige, die frischer wirken als straff gehäutete faltenfreie Barbiepüppchen? Die Welt ist voller Klischees, das heißt besonders die Welt der Illustrierten und jener, die ihre Redaktionen mit Story-Stoff bedienen sowie Fotos. Fotos um Fotos, allesamt mit breit zähnefletschenden „lachenden“ Cheese-Grimassierten, in Klamotten, die ich nicht mal zum Karneval anprobieren wollte, auf Schuhen, die einem schon beim Hingucken die Hacken knicken lassen, frisiert wie goldene Pudeldamen. Und dann diese ganzen Dramen, Ehekräche, späte Väter, verlorene Kinder und Prozesse … um Geld natürlich. Wie sie so posieren … und sich zieren … Leben für die Kamera, den Schein, die Lüge …

Maskenball.

Ich war froh, als ich aufschaute und meinen Blick durch das Wartezimmer streifen ließ … normale Gesichter, dicke, dünne Frauen, alte, junge, ohne falsches Grinsen und aufgesetzte Gesten … Menschen wie du und ich.

Jutta Riedel-Henck, 10. Juni 2003