Jutta Riedel-Henck

Fragen und Antworten

„Gibt es einen Teufel?“

„Nein.“

„Aber was ist das, was die Menschen Teufel nennen?“

„Das sind sie selbst.“

„Warum wissen sie nicht, dass der Teufel sie selbst sind?“

„Sie wissen es.“

„Wie soll ich das verstehen?“

„Genau so einfach, wie ich es sage.“

„Sie sind also extra böse?“

„Ja, sie genießen ihre Bosheit.“

„Aber wie kann das gehen, Bosheit zu genießen?“

„Das geht nur mit einem Opfer, wie du eines bist.“

„Und warum bin ich ein Opfer?“

„Weil du dich hingibst.“

„Soll ich mich wehren, und wenn ja: wie?“

„Du bist schon auf dem richtigen Weg. Mach einfach so weiter und schweige nicht! Benenne das Böse und die Bösen! Und lass dir nicht einreden, sie wüssten nicht, was sie tun!“

„Sie wissen es also!“

„Ganz genau!“

„Und sind damit voll verantwortlich für ihre Bosheit?“

„Ja!“

„Und werden dafür bestraft?“

„Was heißt bestraft, nein, es gibt keine Strafen. Es gibt nur logische Konsequenzen.“

„Und die wären?“

„Das zeigt sich von selbst.“

„Ja, ich sehe das.“

„Dass du es siehst, empfinden sie als Strafe.“

„Warum?“

„Weil sie wissen, was sie tun.“

„Was hat das mit mir zu tun?“

„Mit dir gar nichts. Aber mit ihrem Selbstbild, das sie durch dein Anderssein nicht gespiegelt finden.“

„Das heißt, sie ertragen nur ihres Gleichen, Böse unter Bösen?“

„Ja.“

„Verstehe. Mir ist das aber egal, ob sie böse sind, ich brauche keine Spiegelung meiner selbst.“

„Du bist keine Narzisstin.“

„Nein?“

„Nein.“

„Ich weiß nicht.“

„Siehst du: ich sag es doch, du bist keine Narzisstin, dafür zweifelst du zu viel an dir selbst.“

„Ich weiß es wirklich nicht. Ob du echt bist?“

„Ich?“

„Ja, du, Gott!“

„Würdest du mir glauben, wenn ich antworte: ja?“

„Nein, ich würde dir nicht glauben. Ich will nicht an dich glauben. Wozu sollte ich?“

„Um Halt zu finden.“

„Aber den finde ich doch hier auf der Erde, indem ich stehe, gerade und aufrecht durch mich selbst.“

„Das ist schön!“

„Finde ich auch.“

„Wie ein Baum.“

„Ein Baum mit Füßen.“

 

 

„Jesus sagte: Liebe deine Feinde! Wie kann ich aber einen Feind lieben, wenn er mir kein Feind ist durch meine Liebe?“

„Jesus dachte sehr direkt.“

„Was heißt das?“

„Er bezog sich auf sein Gegenüber.“

„Und verlor seinen eigenen Standpunkt?“

„Fast, er riskierte es zumindest bis an die äußerste Grenze.“

„Würde man heute sagen, er litt unter einem Helfersyndrom?“

„Das ist möglich. Aber du möchtest eine eindeutige Antwort, nicht wahr?“

„Ja.“

„Also gut: nein. Jesus litt nicht unter einem Helfersyndrom. Dafür war er zu direkt.“

„Du meinst, er war wirklich und geradeaus auf den anderen bezogen ohne Hinterlist?“

„Ja, du kannst es besser in Worte fassen als ich.“

„Warum?“

„Weil du die irdischen Verirrungen kennst aus deiner Erfahrung. Ich bin davon weit entfernt.“

„Ich beziehe sie immer mit ein, die Verirrungen.“

„Genau das meine ich. Du denkst nicht so direkt wie Jesus, du denkst vor und zurück und zu allen Seiten und strukturell bewegt, systematisch. Jesus war einfach nur direkt und im guten Sinne dumm.“

„Sind das nicht alle Männer?“

„Ja, durchaus.“

„Kratzt das nicht schrecklich an dem Bild des Mannes, das sich viele Frauen machen?“

„Oh ja! Die Frauen, die ihre Männer in so falschem Licht sehen wollen, sind narzisstisch, sie suchen nur nach einer Spiegelung ihrer selbst und können den Mann nicht anders sein lassen als eine Frau.“

„Damit sind all ihre Klagen nur Klagen gegen ihre eigene Lüge?“

„So ist es.“

„Das Leben ist sehr einfach.“

„Alle wahren Lösungen sind einfach.“

„Das Einfache glaubt nur niemand, weil es zu einfach ist.“

„Ja, die Qualen sind hausgemacht.“

„Und die Liebe und Schönheit auch.“

Jutta Riedel-Henck, 10. Juli 2004