Jutta Riedel-Henck

Take Fifteen

Ich lese gerade ein Buch über die narzisstische Gesellschaft.

     Und?

Es wird schnell langweilig. Denn eigentlich wird nur beschrieben, was ist, als ob der Autor sich seinen Frust von der Seele schreiben wollte.

     Was nicht funktioniert.

Nein, Frust ist ja kein Zahnbelag, den man sich von der Seele putzen kann.

     Man muss schon das Kind mit dem Bade ausschütten.

Ja, aber so weit mag niemand gehen.

            Mit Steinen im Glashaus werfen.

Wo kämen wir da hin? Das Haus würde ja einfallen!

            Und es könnte sich etwas ändern.

Oh Graus. Und die Natur! Der Himmel, der Regen, all das Unberechenbare!

            Unkontrollierbar!

Ein Glashaus lässt sich kontrollieren.

            Denkgebäude.

Glaubensgebäude. Aus einmaligem Denken wird noch kein Haus.

            Ja, da muss es schon chronisch werden.

Immer wieder, und immer anders, damit es nicht auffällt, dass die Grundsätze gleich bleiben.

            Grundsätze?

Fundament der Gebäude. Die wahre Basis allen Lebens hat kein Fundament.

            Aber einen Ursprung.

Ich weiß nicht. Das Ur setzt schon einen Anfang voraus – oder?

            Ja. Wir werden keinen Begriff finden.

Bodenlos.

            Los.

Los gehts. Die Bedeutung des Wortes ist interessant. Los-gehen, starten. Und doch bedeutet es eigentlich nur los-lassen. Also lassen. Wenn ich nichts ver-lasse, lasse, kann ich nicht gehen, nicht wirklich weiterkommen.

            Oh, wie wahr!

Klingt wie der Titel einer Opernarie.

            Aufgeblasen.

Oper eben.

            Es gibt aber auch Seifenopern.

Wenn du ein f hinzufügst: Opfer.

            Schluchz schon wieder.

Schlucht.

            Schlecht.

Schlacht.

            Um das letzte Brötchen?

Wer zuletzt (sch)lacht ...

            JRH, 9.8.2017