Jutta Riedel-Henck

Take Eleven

Die Bäume schlagen aus.

            Seltsame Sprache.

Menschensprache.

            Und, schlagen sie?

Die Menschen, ja. Die Bäume, nein.

            Aus Bäumen wird Papier hergestellt.

Darauf projizieren die Menschen sich selbst.

            Um sich damit zu schlagen.

Würden sie es wenigstens tun. Es gibt ja genug Altpapier.

            Geld wird auch auf Papier gedruckt.

Wertpapiere.

            Wertprojektionsobjekte.

Darum streiten sich die Leute.

            Um die Objekte oder um die Werte?

Um die Projektionen.

             Was gibt es da zu streiten?

Das musst du die fragen, die sich streiten, nicht mich.

            Aber die streiten doch, wie sollte ich sie dann fragen können?

Stimmt auch wieder. Wer streitet, hört nicht zu.

            Unerhört!

Unerhört von sich selbst.

            Sie wollen aber von dir gehört werden!

Ja, das Türenknallen ist nicht zu überhören. Mir genügen aber die feinen Töne, ich brauche so einen Krach nicht.

            Und? Was antwortest du?

Was soll ich antworten? Dem, der nicht zuhört?

            Er will aber, dass du ihm antwortest, sonst würde er nicht so einen Krach machen.

Ich weiß nicht, was so ein Krawalleur will.

            Krach!

Ja, das ist angekommen. Aber ich will keinen Krach machen.

            Was willst du?

Lernen, mich von all den Krawalleuren nicht von mir selbst abbringen zu lassen.

    Brauchst du dafür Krawalleure?

Anders herum: Ich weiß, dass die Welt für alles offen ist, also auch für Krawalleure. Und da Krawalleure unerhört sind, sehe ich keine Chance, sie durch irgendeine meiner Verhaltensmöglichkeiten daran zu hindern.

            Würdest du es denn tun, wenn du könntest?

Sehr gute Frage! Temporär ist es möglich, andere Menschen zu beeinflussen, aber dann hätte ich ja Macht über sie und wäre für ihr Verhalten verantwortlich.

            Du würdest ihr Spiel mittragen.

Eben. Mir gefällt dieses Spiel nicht. Und es gibt nur eine Möglichkeit für mich: Ich lasse sie damit allein und widme mich dem, was ich selbst will.

            Sie werden immer wieder danach trachten, dich in ihr Spiel zu verwickeln.

Das mag sein. Aber ich lerne immer mehr, ihre Absichten zu durchschauen und mich rechtzeitig zu entziehen.

            Gut!

Und es wird immer besser!

JRH, 18.4.2017