Jutta Riedel-Henck

Persönlich

Frager: Gehe ich mal ans Eingemachte ...

 

JRH: Ich habe nichts Eingemachtes.

 

Frager: OK, bescheuertes Wort. Wobei mir das erst jetzt auffällt.

 

JRH: Das Wort ist gemessen an dem, wofür es im Alltag gebraucht wird, total irreführend.

 

Frager: Ist das nicht jedes Wort?

 

JRH: Nein. Wobei ein Wort für sich natürlich gar nichts sagt, somit auch nicht irreführen kann.

 

Frager: Gut, aber wir beide, Sie und ich, sprechen durchaus eine Sprache, sonst könnten wir uns nicht verständigen.

 

JRH: Wir einigen uns, bevor wir miteinander sprechen.

 

Frager: Worauf?

 

JRH: Dass wir jetzt mal so tun, als würden wir beide, Sie und ich, dasselbe meinen im Umgang mit den Worten.

 

Frager: Dasselbe oder das Gleiche?

 

JRH: Oh je, da gehts schon los. Dasselbe ist nicht das Gleiche. Können wir das so stehen lassen?

 

Frager: Ha ha!

 

JRH: Zurück zum Eingemachten. Worum geht es Ihnen wirklich?

 

Frager: Sie können mich auch duzen.

 

JRH: Meinetwegen, ist mir ziemlich egal. Das Sie fand ich für den Anfang so schön kontrastreich zu den vielen Internet-Gesprächen, wo sich alle gleich duzen, obwohl sie einander nicht kennen.

 

Frager: Wer kennt einander schon?

 

JRH: Sie, d. h. du hast es wohl heute mit dem Infragestellen?

 

Frager: Ich will nur meiner Rolle gerecht werden. Da steht schließlich Frager!

 

JRH: Ja, weiß auch nicht, wie lange mir diese Form noch behilflich ist. Schauen wir mal.

 

Frager: Das Eingemachte! Los!

 

JRH: Schon besser.

 

Frager: Ich will wissen, warum diese Unterhaltungen unter „Persönlich“ stehen.

 

JRH: Ohne Kategorien wäre alles zu viel auf einmal.

 

Frager: Auf einmal?

 

JRH: Nun ja, wer eine Website besucht, muss sich doch irgendwie orientieren. Es ist ein Unterschied, ob ich in ein Haus trete, das nur einen riesigen Raum voller Möbel, Leute und Zeugs hat, oder in einen Flur mit vielen geschlossenen Türen. Das hat was von Geschenkeauspacken.

 

Frager: Das befriedigt mich.

 

JRH: Gut. Und persönlich? Weil es mir ein Bedürfnis ist auszudrücken, dass diese Gespräche sehr persönlich sind.

 

Frager: Ist alles andere das nicht auch? Die Autorin ist eine Person.

 

JRH: Mag sein. Aber diese Gespräche führe ich alltäglich, schreibe sie nur selten auf. Das bin nicht nur ich, es ist mein persönlicher Umgang.

 

Frager: Mit wem?

 

JRH: Ich unterhalte mich mit vielen Menschen, Wesen, Seelen, Geistern, wie auch immer das zu nennen sei.

 

Frager: In Gedanken?

 

JRH: „In Gedanken“, das klingt so abgeschlossen, getrennt von der Realität. Ist es aber nicht. Das Thema hatten wir schon. Aller Materie gehen und gingen Gedanken voraus. D. h. Gedanken sind Materie, wenn auch nicht so verdichtet wie das, was wir zu greifen meinen glauben.

 

Frager: ... zu greifen meinen glauben. Sehr, sehr vage formuliert.

 

JRH: Ist der Glaube vage?

 

Frager: Ja, irgendwie schon. Solange er sich noch nicht manifestiert hat?

 

JRH: Nein, seh ich nicht so. Der Glaube ist fest.

 

Frager: Wenn er fest ist.

 

JRH: Anderenfalls wäre er kein Glaube, sondern Zweifel.

 

Frager: Kann man so definieren, einverstanden.

 

JRH: Fürs erste. Wir müssen daran ja nicht festhalten.

 

Frager: Der Glaube lässt sich lösen, ja.

 

JRH: Eben.

 

Frager: Aber wer tut das schon?

 

JRH: Ja, daran fehlt es oft. Deshalb ändert sich bei vielen auch selten etwas.

 

Frager: Das wäre doch Eingemachtes?

 

JRH: Hat was, durchaus. Geschlossene Form, geschlossenes Glas, luftdicht verpackte Ware, die einst lebendig war.

 

Frager: Und darauf wartet, geöffnet zu werden, um dem Leben zu dienen. Also als Energielieferant, Futter usw. ...

 

JRH: Schöne Wendung.

 

Frager: Auslegung.

 

JRH: Deutung.

 

Frager: Was hör ich da?

 

JRH: Der Hund schnarcht.

 

Frager: Der kann mit Eingemachtem nix anfangen.

 

JRH: Nein, der mag nur geöffnete Dosen.

 

Frager: Oh, lass uns das so beenden.

 

JRH: Gerne.

 

Jutta Riedel-Henck, 22. Januar 2016