KernIch

In den Fängen der Gefälligkeitskommunikation leidet der Mensch unentwegt an Liebeskummer. Seine Fühler tastend nach außen gerichtet und ständig in Aktion, bewegt er sich wie eine Schnecke auf der Suche nach Futter durch ein aus seiner eindimensionalen Perspektive undurchschaubares Labyrinth.

Die Schnecke unterscheidet zwischen Ja und Nein bzw. Harmonie und Disharmonie, Einigkeit und Uneinigkeit. Sie bewegt sich wie ein Punkt vorwärts und hinterlässt dabei lineare Spuren. Ihre so gezeichneten Lebenswege bilden die Vergangenheit ab.
Der nach außen gekehrte Mensch reagiert auf die Umstände, Bedingungen, ist von ihnen abhängig wie ein Baby, das von den Emotionen seiner Mutter gelenkt wird, während sein wahres Ich „auf der Strecke“ bleibt und irgendwo im Nirgendwo verschwindet (aus der eigenen Wahrnehmung).

 

aus: Jutta Riedel-Henck: Freiheit Frechheit. Deinstedt: Kompost-Verlag, 2019, S. 61.

 

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